Cem_Oezdemir

 

Interview mit Bierbotschafter Cem Özdemir

 

Wie wird man denn Bierbotschafter?

Seit 2002 ernennt der Deutsche Brauer-Bund (DBB) Menschen aus Politik und Gesellschaft mit Bezug zum Produkt zu Bierbotschaftern. Der DBB hat mich und Sonya Kraus als „Botschafter des Bieres“ im Jahr 2014 ausgewählt. Von den letzten 12 Bierbotschaftern aus der Politik waren acht von der CDU/CSU, ganze drei von der SPD, tja, und ich. Ich bin bekennender Weizenbiertrinker und freute mich sehr über die Auszeichnung. Dem Brauerbund habe ich es anfangs nicht leicht gemacht: Da soll ich für das deutsche Bier werben und stelle mir erstmal eine Hanfpflanze auf’s Dach. Mit nachhaltiger Wirkung! Aber immerhin: Es blieb ja in der Familie, denn auch Hopfen zählt zu den Hanfgewächsen.

 

Im Juni diesen Jahres endete meine offizielle Amtszeit. Nun bin ich quasi Bierbotschafter a. D. und freue mich aber sehr, auch weiterhin viele innovative Brauereien im Ländle und ganz Deutschland besuchen zu können und viel über dieses vielfältige Getränk lernen zu dürfen. Es war schon überraschend für mich festzustellen, wie viele unterschiedliche Hopfenaromen und Malzvariationen es gibt und welche Vielfalt es im heutigen Braugewerbe allgemein gibt. Da ist noch einiges möglich und zu erwarten.

 

Was sind die Aufgaben eines Bierbotschafters?

In Gastronomie und Handel lässt sich derzeit die Entwicklung einer neuen Bierkultur beobachten. Biere erreichen heute eine hohe Komplexität in Aroma und Textur, das an die Geschmacksprofile von Wein erinnert. Gutes Bier sollte genauso gepflegt werden wie Wein. Welche Aromen schmeckt man? Welches Bier passt zu welchem Essen? Welche Trinktemperaturen sind ideal? Welches Glas passt zu welchem Bier? Da gibt es noch viel Entwicklungsspielraum. Die Aufgabe des Bierbotschafters ist es, Veranstaltungen vor Ort zu begleiten, einzelne Biere und Brauereien herausheben. Nicht zuletzt möchte ich regionalen Brauereien motivierten und ihnen meine Anerkennung für die geleistete Arbeit aussprechen. Gemeinsam mit dem Deutschen Brauer-Bund mache ich mich gegen Fracking stark, denn nur mit Wasser bester Qualität lässt sich gutes Bier brauen.

 

Kennen Sie die Kaiser-Brauerei in Geislingen?

Nein, aber ich freue mich riesig, dass sich das am Wochenende ändert. Ich werde am Samstag den traditionellen Brauer-Markt besuchen und am Weltrekordversuch der „größten Zwickelprobe der Welt“ teilnehmen. Ich finde es spannend und innovativ, Kunden und Bierfreunde an der zukünftigen Geschmacksausrichtung eines Weizenbieres zu beteiligen. Das erzeugt Vertrauen und ist sehr sympathisch.

 

Welche Empfehlungen haben Sie für regionale Brauereien, um im harten Wettbewerb überleben zu können?

Der Verbrauer entscheidet letztendlich, ob regionale Brauereien eine Zukunft haben. Wichtig ist zu wissen, dass Bier durch Lagerung oder weite Transportstrecken nicht besser wird. Bier ist ein frisches Lebensmittel und Verbraucher können diesen großen Vorteil nutzen und gleichzeitig ihre regionalen Brauereien unterstützen.

 

Zudem reizt die neue Bierkultur innovative Brauer immer mehr dazu, neue Bierkreationen zu entwickeln. Inhabergeführte, regionale Brauereien haben durch ihre Flexibilität hier einen großen Vorteil. Sie können immer wieder limitierte Spezialitätenbiere auf den Markt bringen. Das schafft Nähe, Identifikation und Vertrauen. Auch eine hochwertige Präsentation gehört dazu: hohe Gläser für die herben Hopfenaromen, bauchige Gläser für dunkle, malzige Biere. Der heutige Biertrinker ist neugierig und probiert immer gerne was Neues aus.