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Interview mit Braumeister Christoph Kumpf


Herr Kumpf, seit Januar 2015 verantworten Sie als junger Diplom-Brauingenieur die gesamte Produktion und damit auch die Qualitätsicherung bei der Kaiserbrauerei. Wie kam es dazu?

Mein Einstieg ins Unternehmen war für später geplant. Ich hatte eigentlich andere Pläne und wollte in branchennahen Unternehmen Erfahrung sammeln und andere Unternehmenskulturen kennenlernen.
Die Insolvenz der KB kam dazwischen. Als ich vom Involvenzverwalter Tobias Sorg angefragt wurde, konnte ich nicht anders. Ich bin ins kalte Wasser gesprungen. Mein Vater und mein Onkel unterstützen mich mit ihrer Erfahrung, die Mitarbeiter motivieren mich und ich habe mich nach einer kurzen Eingewöhnungszeit gut integriert. Noch ist nichts gewonnen, wir müssen hart arbeiten und das Unternehmen wieder auf Vordermann bringen.


Die Insolvenz der KB war ein Schock für die Kunden, Mitarbeiter und die gesamte Region. Aber es gab auch viele solidarische Aktionen wie zum Beispiel die Facebookseite „Rettet die Kaiserbrauerei“. Wie haben Sie diese Tage wahrgenommen?

Es war eine extreme Anspannung bei meinem Vater und bei meinem Onkel Ulrich zu spüren. Erbe und Lebenswerk standen auf Messers Schneide. Über dem Brauereigelände lag eine gespenstische Stille. Niemand wusste wie es weitergeht.  Mit Insolvenzverwalter Sorg kam neuer Mut und eine neue Aufbruchsstimmung ins Unternehmen. Einige Mitarbeiter sind gegangen, andere haben gesagt: „Jetzt erst recht!“


70% des Biermarktes werden von Konzernen beherrscht. Cem Özdemir, der Bierbotschafter 2014, war auf dem diesjährigen Brauermarkt in Geislingenund empfiehlt den regionalen Brauereien sich auf eigene Stärken zu besinnen: Flexibilität und Pioniergeist. Was meint er damit?

Cem Özdemir hat etwas Grundsätzliches gesagt: „Bier wird durch lange Transportwege nicht besser. Deshalb ist ein gutes Bier aus der Heimat die bessere Wahl.“ Der Konsument entscheidet also letztendlich über den Erfolg und die Existenz regionaler Brauereien.
Große Konzerne können durch riesige Mengen und großer Finanzkraft intensive Werbekampagnen fahren und auch dauerhaft ohne Substanzverlust an der Preisschraube drehen. Das halten kleinere Brauereien nicht durch. Die Stärke der kleinen Brauereien ist tatsächlich ihre Flexibilität. Wenn Sie erfinderisch genug sind – können sie schneller kleinere Mengen von Spezialbieren brauen und den Geschmack der Verbraucher früher erkennen. Das ist ein nicht unwichtiger Vorteil, wenn man experimentierfreudig ist.


Wie viel Pioniergeist steckt denn in Ihnen?

Oberste Priorität hat die Qualität unserer gesamten Produktpalette. Das brauchen wir zur Existenzsicherung. Das Kellerpils wurde mit einer Silbermedaille und unser Weizenbier sogar mit einer Goldmedaille der DLG ausgezeichnet. Auch das „Ohne Filter“ und unser Kristallweizen bekamen Auszeichnungen.
Dennoch möchte ich Zeit in viele neue Kreationen investieren. Es gibt sehr viele interessante Ideen und Ansätze. Vor kurzem haben wir einen „Hopfenstopfer“ gebraut. Da wird die vierfache Hopfenmenge verwendet, aber nicht im Sudhaus, sondern erst später, im Reifeprozess. Damit kommen kaum zusätzliche Bitterstoffe ins Bier, aber viel Hopfenaroma, das dem Bier eine außergewöhnliche Note verleiht.


Auf dem Brauermarkt wurde der Weltrekord einer öffentlichen Zwickelprobe geknackt. Gleichzeitig hat die Wahl der Testpersonen Einfluss auf den Geschmack des zukünftigen Bieres. Wie ging es denn aus?

Auch hier sind wir konzerneigenen Brauereien überlegen und können schnelle Entscheidungen treffen. Wenn fast 2500 Testpersonen ihre Stimme abgeben, dann sollte das Ergebnis auch berücksichtigt werden, zumal es ziemlich eindeutig war. Es war eine schöne Veranstaltung mit vielen fröhlichen Gesichtern und viel Spaß. So muss es sein.


Was erwartet den Bierliebhaber denn in den nächsten Monaten?

Das Winterbier ist bereits auf dem Markt. Das ist ein leckeres Tröpfchen für die kalte Jahreszeit geworden: malzig, kräftig und dennoch sehr süffig.
Im Frühjahr brauen wir dann das Märzen und das Maientagsbier. Ein paar kleinere Überraschungen haben wir natürlich auch noch geplant.
Meine besondere Leidenschaft gilt besonderen Bierkreationen in kleineren Mengen, die in einem besonderen Rahmen genossen werden. Bier ist ein höchst interessantes Experimentierfeld und kann sehr überraschend und super lecker sein.



Wie sieht Ihr Privatleben aus? Haben Sie überhaupt noch eines bei so vielen Aufgaben und Herausforderungen?

Ich wohne die Woche über in Geislingen und fahre am Wochenende zu meiner Freundin Franziska nach München. Dadurch kann ich mich von Montag bis Freitag in Geislingen austoben und mich vollkommen auf meine Arbeit konzentrieren. Das Wochenende nutze ich um zu entspannen und Kraft zu tanken. Gottseidank ist meine Freundin auch am Thema Bier interessiert, so dass wir im Urlaub auch mal eine erfolgreiche Craft Brauerei besuchen.


Wie sehen Sie die Zukunft der Kaiserbrauerei?

Wir müssen alle unsere Hausaufgaben machen: ich, mein Vater und mein Onkel mit allen Mitarbeitern und ein richtig gutes Bier für die Region Geislingen und Göppingen brauen. Dabei achten wir auf Qualität beim Braugetreide, das von Landwirten aus dem Raum Geislingen kommt und mit bestem Aromahopfen aus Tettnang oder dem Hallertau in Berührung kommt. Bierliebhaber schmecken den feinen Unterschied und sind bereit einen Euro mehr dafür zu bezahlen. Wenn es uns gelingt, dass Qualität wieder belohnt wird, dann wird die Kaiserbrauerei die ersehnte Wende schaffen.